Grußwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Kongressteilnehmer,

Einhundertundfünfunddreißigmal ZAENKongress! Normalerweise ist das eine ‚krumme‘ Zahl, keine typische zum Feiern. Keine Sorge, den 150. im Frühjahr 2026 werden wir natürlich ganz groß würdigen!

Ich lade Sie dennoch ein, kurz darüber zu reflektieren: Wir kennen nur eine ärztliche Gesellschaft in Deutschland, die auf mehr eigene Kongresse zurückblickt. Die äußerst ehrwürdige Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) z.B. hat gerade ihren 124. hinter sich, die vergleichbar ehrwürdige Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGC) wie wir ihren 135., dort sind wir allerdings klar auf der Überholspur. Das liegt bei diesen wesentlich älteren Gesellschaften natürlich an ihrer nur einmal jährlichen Ausrichtungsweise. Mehr weist nur der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) auf, der 2017 immerhin seinen 166. Kongress begangen
hat und sich stolz als ältester, durchgängig seit 1829 aktiver Ärzteverband in Deutschland bezeichnen darf.

Klar, solche Zahlen allein reichen in unserer nicht mehr sehr stark an Traditionen interessierten Zeit nicht aus, um etwa Ärzte anderer Fachrichtungen in Ehrfurcht erzittern zu lassen. Ich meine aber, man kann diese Zahl im Hinterkopf behalten und gelegentlich an die vielen, vielen Tausend Kolleginnen und Kollegen denken, die
sich meist mehrfach in ihrem Leben und meist unter schwierigeren finanziellen und verkehrstechnischen Bedingungen als wir heute nach Freudenstadt aufgemacht haben, um sich und andere zu bereichern und eine wissenschaftliche und praktisch therapeutische Fachrichtung zu fundieren. Davon profitieren wir bis heute.

Sie wollten es so! Als wir vor Jahren in der Mitgliederversammlung diesen für uns alle auch finanziell riesigen Aufwand zweier jährlicher Vollkongresse zur Disposition stellten und den Herbstkongress
zu einem reinen Kurskongress umzuwandeln vorschlugen, gab es einen Aufschrei! Die neben vielen anderem so begründete, 2016 beschlossene und 2017 erstmals wirksame Mitgliederbeitragserhöhung erlaubt es uns, diese Tradition gerne ungebrochen fortzuführen, auch wenn wir im Herbst meist etwas weniger Teilnehmer erwarten – was ich nebenbei aufgrund des hohen Freizeitwertes im meist wunderschön spätsommerlich/frühherbstlichen
Freudenstadt noch nie verstanden habe. Der ZAEN wird weiterhin zwei Kongresse jährlich anbieten, um Ihre so deutlich ausgesprochenen Bedürfnisse nach Fort- und Weiterbildung zufrieden zu stellen!

Wie üblich, erwarten Sie einige neue Kurse und Seminare, diesmal 14, die wir Ihnen zur sorgfältigen Prüfung empfehlen. Darüber hinaus ist die Fallkonferenz (s.S. 19) mittlerweile eine feste Einrichtung des Herbstkongresses, die in den Rückmeldungen der Teilnehmer sehr gut bewertet wird. Wir haben bislang leider
recht wenig Resonanz auf unsere Aufforderung an Sie erhalten, eigene Fälle mitzubringen und zur Diskussion zu stellen. Nutzen Sie diese seltene Chance, Ihre kleineren oder größeren „Problemfälle“ von ausgewiesenen Experten diskutiert zu sehen! Auch legen wir großen Wert darauf, dass der ZAEN ein transparenter und kommunikativer Verband ist, der Ihnen nicht nur Gelegenheit zum Konsum guter Kurse, Seminare und Vorlesungen bietet, sondern ein Stück weit auch einen Teil Ihres persönlichen Präsenz-Netzwerks wird (leider weiß ich nicht, wie man im Zeitalter sog. sozialer elektronischer Netzwerke die althergebrachten korrekt bezeichnet). Neben den vielen informellen Gesprächen z.B. in den Pausen im Großen Kursaal, dienen hierzu der Stammtisch (s.S. 20) sowie der Begrüßungskaffee insbesondere für die, die neu beim ZAEN sind (s.S. 2).

Wir alle haben die Beschlüsse des Erfurter Ärztetages im Mai 2018 aus den Medien erfahren, der u.a. nach jahrelangen Vorbereitungen eine neue Musterweiterbildungsordnung (MWBO) beschlossen hatte, ein ganz normaler Vorgang. Deren Umsetzung wird nun die Fachgesellschaften und Landesärztekammern intensiv beschäftigen. Allen nahezu professionellen Unkenrufern bis Pessimisten zum Trotz haben – völlig erwartungsgemäß – die Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren wie die angrenzenden komplementärmedizinischen und im ZAEN als Kurse angebotenen Akupunktur und Homöopathie vollen Bestandsschutz. Für Sie, die Weiterbildungen angefangen haben, bzw. sich mit diesem Gedanken tragen, wird sich unmittelbar (meine Prognose: auf mindestens zwei Jahre) nichts ändern. Da der ZAEN sowie die kooperierenden Verbände Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur und Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte hier involviert sind, können wir Sie selbstverständlich über www.zaen.org, das ZAENMAGAZIN sowie in wichtigen Ergebnissen auch über die Programmhefte auf dem Laufenden halten. Man kann jetzt schon grob sagen, dass sich grundsätzlich für Sie nichts ändert, wohl aber für uns, die Weiterbildungsanbieter. Diese werden in eine noch höhere Verantwortung genommen, sich mit ihrem Angebot
und letztlich der Ausstellung der Teilnahmezeugnisse zu vergewissern, dass der Teilnehmer wichtige Fähigkeiten theoretisch und auch praktisch (!) beherrscht. In jedem Fall wird es wie immer großzügige Übergangsregelungen geben.

Und zum Abschluss wie immer der Appell: helfen Sie uns bitte, durch persönliche Kommentare und Ihre Bewertungsbögen unser Angebot weiter zu verbessern und Ihren Bedürfnissen optimal anzupassen. Im Namen des Vorstandes, der Geschäftsführerin und der Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle wünsche ich Ihnen einen angenehmen und erfolgreichen Kongress!

Herzlichst,
Ihr Rainer Stange